Mehr als nur ein Badminton Turnier

Die Saar.Lor.Lux Open sind nicht nur aus sportlicher Sicht ein Highlight für die internationale Badmintonwelt. Wie kaum ein anderes Turnier in dieser Größenordnung, wird die Veranstaltung zu einem Löwenanteil von freiwilligen Helfern gestemmt.

„Nach dem Turnier ist vor dem Turnier“ heißt es für viele, die schon seit Jahren ein Teil des Teams sind und in jedem Jahr kommen mehr Badmintonfans und -freunde dazu.

Carolin Ruth, seit einigen Jahren Teil des Organisationsteams, gibt einen ganz persönlichen Einblick hinter die Kulissen:

Vor meinem zweiten Jahr bei den zuletzt noch Bitburger Open habe ich mir zum Geburtstag eine Fitnessuhr mit integriertem Schrittzähler gewünscht. Bis zum Finaltag werde ich in dieser Woche über 80 km zurückgelegt haben. Dabei macht der Weg von meinem Hotel zur Halle und wieder zurück den kleinsten Anteil aus. Das ist hier meine Aufgabe, ich laufe. Ich laufe, damit es läuft. Ich gehöre zu einem großen wie großartigen Team von freiwilligen Helfern, die dieses Turnier zu dem wohl familiärsten und herzlichsten der Badmintonwelt machen. Mehr als 80 Jugendliche, Erwachsene, Eltern, Badmintonfreunde und Experten auf ihrem Gebiet fiebern nach dem letzten Turniertag dem nächsten Jahr entgegen, stolz darauf, ein wichtiges Zahnrad im Uhrwerk der SaarLorLux Open zu sein.

Mein Morgen beginnt am Einlass- und Infocounter. Ein Team von Jung bis Alt begrüßt schon um 8:00 Uhr zur Hallenöffnung zunächst die Spieler und Offiziellen bevor die ersten Zuschauer die Halle betreten. Viele kommen direkt von der Arbeit oder der Schule in die Halle, um möglichst wenig zu verpassen. Alle sind auf die kleinen und großen Fragen des Publikums und der Spieler vorbereitet. Es werden Buspläne erklärt, Taxis gerufen, Spielpläne gedruckt und für jeden, der die Halle betritt, haben sie ein freundliches Wort übrig. Gerade zu Beginn des Turniers wird es für die eingefleischten Badmintonfans unter den Helfern aufregend. Die Spieler benötigen für den Zutritt zur Halle ein sogenanntes Akkreditierungs-Badge. Zwischen zu vielen Listen und technischen Tücken werden alle Spieler fotografiert, hierbei kommt man seinen Idolen näher, als man es sich vielleicht vorstellen konnte.

Den Morgen verbringe ich zwischen Infocounter und Turnierbüro, verteile Kopierpapier, sortiere Eintrittskarten und verteile Gummibärchen für alle, deren Nacht vielleicht etwas zu kurz war.

Früh aufgestanden ist zum Beispiel mindestens die Hälfte der Herren, denen ich im Flur vor dem Shuttleservice Büro begegne. Sie sind am Morgen schon zum Flughafen gefahren. Die ersten Spieler, die aus dem Turnier ausgeschieden sind, treten direkt die Heimreise zur nächsten Turniervorbereitung an. Die meisten der Helfer haben sich in dieser Woche Urlaub genommen, manche sind schon im Ruhestand, nicht aber in dieser Woche. Das Turnier ist für sie erst vorbei, wenn montags alle Spieler und Offiziellen die Heimreise angetreten haben. Nicht selten klingelt das Handy im Orgateam noch mitten in der Nacht, in China wäre da halt schon morgens.

Wer hier schon mit im Auto saß…- manche Geschichten werden schon der dritten Generation weitererzählt.

Drei Generationen treffe ich auch im Raum gegenüber. Eine ganze Badmintonfamilie managt hier die Finanzen des Turniers. Um Punkt 9:00 Uhr füllt sich der Raum mit jeder Menge guter Laune und Lyoner. Stets mit Bedacht und Sorgfalt wird jeder Euro gezählt. Hier laufen alle Kassen des Turniers zusammen. Am selben Tisch wird für das leibliche Wohl der Freiwilligen gesorgt. Jeder Helfer wird in dieser Woche mit einer warmen Mahlzeit und Snacks versorgt. Dafür wird es nun auch bei mir Zeit. Und auch im Cateringbereich gibt es ein großes Hallo. Die Turnieroffiziellen, Organisatoren und Helfer tummeln sich an der Essensausgabe. Auch hier steht ein Team von Freiwilligen bereit, scannt die Essensbons, verteilt den Mittagstisch, füllt Getränke nach und wischt Tische ab. Mit vollem Bauch arbeitet es sich leichter und in guter Gesellschaft wird Kraft getankt für die Woche.

Zum Nachtisch verteile ich weiter Gummibärchen, so komme ich mit allen ins Gespräch und egal wo ich stehen bleibe, man merkt jedem die gute Laune und die Freude am Turnier an. Am Stand des BC Bischmisheim gibt es eine Art Familientreffen zu sehen. Hier findet sich die Turnierorganisation, die Standbetreuung, der Hallensprecher und das Presseteam in zwei Familien zusammen. Und es fühlt sich an, als gehören in dieser Woche alle irgendwie dazu.

Ich werde am Einlass aufgehalten. Hier wartet ein Pressevertreter, dem ich den Weg ins Pressebüro zeige. Dort treffe ich auf das ganze Team, jeder ist in seine Arbeit vertieft. Die Turnierfotografen sind seit Jahren fester Bestandteil in Saarbrücken, seit letztem Jahr zähmen sie die jungen Wilden. Die Leitung des Presseteams liegt in der Hand engagierter Studenten. Diese Mischung bewährt sich, die Außendarstellung des Turniers hält mit jedem internationalen Badmintonturnier mit.

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Ich warte auf die offiziellen Ergebnisse durch die Turnierleitung, um die Spielpläne für den nächsten Tag vorzubereiten. Hier sitzt das Team oft noch einige Stunden nach dem letzten Ballwechsel zusammen, um technische Details und Optimierungen im Turnierablauf zu besprechen.

Innerhalb der Halle und in den Vorräumen hängen mehrere Bildschirme mit Liveübertragung der Spiele. Auch hier wird höchste Professionalität an den Tag gelegt, wieder sind freiwillige Helfer im Einsatz. Schon Tage vor Turnierbeginn wird verkabelt, beleuchtet, auf- und abgehangen.

Die nächsten Tage werden lang, die Nächte kurz, die Gummibärchen leer. Wenn der Abbau beginnt, bin ich als „Externe“ schon wieder zurück im Ruhrgebiet, vor Ort werden aber noch einmal alle Kräfte mobilisiert. Vorher feiern wir am Samstag eine Party. Wir feiern das Turnier, aber vor allem ein großartiges Team, das eine ganze Woche lang alles gibt, um die Welt in ihrem Wohnzimmer Saarlandhalle willkommen zu heißen.

Und das habt ihr euch verdient. 1000 Dank an alle Freiwilligen, das ist euer Turnier.

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